Jemen/ADEN
„Wir kamen am Donnerstag, 29.11., früh 4 Uhr, in Aden an. Schade, wir konnten nicht in die Stadt gehen, denn es ging gleich weiter mit „S.S. Valetta“. Es war sehr heiß, und ich konnte die Nacht erst spät einschlafen… „.

Wir kreuzten nachmittags 4 Uhr die Insel PERIM, wo schon 17 Dampfer/Schiffe (steamer and sailing ships) untergegangen sind.
Die Insel Perim ist eine vulkanische Insel ohne Süßwasserquellen in der Meeresstraße Bab al-Mandab am Südeingang zum Roten Meer vor der Südwestküste des Jemen.
Max notiert sich Adressen von Personen, die ihm auf seiner weiteren Reise behilflich und nützlich sein könnten:
- Theodor Ziehm und Winkler, Cairo
- Arthur Wessel, Capellano Tedesco, Florenz
- G. Ruellberg, Pharmacien, Alexandria
- Dr. Clouth, Wiebaden
- Emilia Wasmuth, Napoli
- C. Feldmann, Professore di lingue moderne, Napoli
- Gustav Weigel, Palazzo Framavilla, Chiaia
Ägypten
Suez (Sues)
„Am Montag, 03.12.88 – Ankunft in Suez (Sues), nachdem wir im Rothen Meer nur einen Tag drückende Hitze überstehen mussten.“
„… sofort kamen wieder die Kaufleute an Bord, und da mein Koffer mit weggegangen war, mußte ich auf dessen Rückkehr warten und komme zum 11 Uhr Zug zu spät.
Mit einem Dragoman besichtige ich Suez, die schmutzigen Häuser, die Moschee und den Süßwasserkanal. Das europäische Viertel ist sehr verwildert, alles ist öde und verlassen.“

Sues liegt an der Nordspitze des Roten Meers, welches hier in den Golf von Sues ausläuft, an der Mündung des Sueskanals.
Abends 10 Uhr ging der Güterzug via Ismailia, II. Kl. für 28 Schilling.
Ismailia liegt beim Timsahsee, einem den Bitterseen vorgelagerten Salzsee, am Sueskanal, in der Mitte zwischen Port Said im Norden und Sues im Süden, etwa 120 km von Kairo entfernt.
Kairo
„Früh 10 ½ kamen wir in Cairo an, wo mich sofort ein Dragoman in Empfang nahm, den ich gleich engagierte. Habe Theodor Ziehm ins Hotel d`Angleterre eingeladen.“

Buchhändlerbild. Herausgegeben von Saarbachs Nachrichtenbörse, Mainz, 1890.
Im Hotel d’Angleterre ist Max in Kairo abgestiegen.
„Wir machten einen Spaziergang entlang der Insel, die malerisch vom Vater Nil umflossen wird und den Palast von Ismaila-Pascha birgt. Ein prachtvolles Palais.“

„Abends waren wir bei Böhr – deutsche Kneipe – wo ich Herrn Dinkler, Königsee, kennenlernte und mit ihm Schmollis trank. Sehr fidele Herren.“
Mittwoch, 05.12. vormittags. „… mit meinem Dragoman besichtige ich das Museum und die Citadelle mit der prachtvollen Moschee Muhammed Ali“ (20 )
„Wir sahen die Terrasse, wo Muhammad Ali 500 Scheichs (Raubritter) hinunterstürzen ließ. Ich sah auch die Exercitien der Soldaten, ebenso gut wie die Engländer. Sie tragen alle den Tarbusch (auch Fes genannt). Abends ist es recht fidel in den Concerthallen,
Damen und Herren.“

Privatfoto, 1995
„Am Nachmittag ritt ich mit Ziehm durchs Viertel mit den Bazars, kaufte für 20 Piaster (= 4 Mark) 2 Decken und Teppich für Clärchen. Scarabäen waren zu teuer, dafür kaufte ich Gipsfiguren.“

„Donnerstag, 06.12., ging es nach der Cheopspyramide mit Dinkler und Ziehm.
Dort wurde Skat gespielt und Bier getrunken. Der Aufstieg dauerte ¾ Stunde – 3 Mann helfen schieben.“
„Ich höre, wie die Beduinen, die alle etwas deutsch sprechen, laut rufen: “ …
- kommen Sie her!
- hören Sie mal!
- langsam!
- nauf!
- kolossal!
- pyramidal!
- guuut…!“
Max schreibt: „… in der Höhle überall Magnesialicht und das leere Grab von Ramses des Großen. Seine Mumie ist jetzt eröffnet. “
„Freitag früh stand ein Wüstenritt mit Kamelen an – mit Ziehm ritten wir durch die Kalifenstadt nach der Sternwarte und sahen eine prachtvolle Fata morgana. Nachmittags packte ich und brachte Sachen zum Bahnhof. Abends 11 Uhr Abfahrt nach Alexandria.“
Alexandria
„Früh 6 Uhr kamen wir in Alexandria an. Nach der Ankunft suchte ich Dr. Ravalis auf, der mich mit Apotheker Ruelberg bekanntmachte und mir die Pompejussäule und den arabischen Friedhof zeigte.“

Die Dreimillionenstadt am Mittelmeer. Privatfoto, 1995
Die Festung/Zitadelle ließ Sultan Ashraf Saif ed-Din Quait-Bay im 15. Jh. erbauen, auf den Ruinen des antiken Pharos.
„Nachmittags, 4 Uhr, ging es bereits weiter – via Neapel mit „S.S. Asia Flora Rubattino“, wo ich recht gut verpflegt wurde. Allerdings war ich 2 Tage lang sehr seekrank, konnte nichts essen und trinken.“
ITALIEN

Volksschul-Atlas, S. 21, hrsg. v. Rudolf Schmidt, Bielefeld und Leipzig. Verlag
Velhagen und Klasing, 1914.
© Dr. Thomas Nabert
Während seines Italienaufenthaltes notierte Max in den Tagen ab Donnerstag, 13.12., bis Montag, 25.12.1888, neben An- und Abfahrtszeiten sowie diversen Einkäufen ausschließlich die Besichtigungen von Sehenswürdigkeiten. Er zeigte sich beeindruckt von den Schönheiten der Städte Italiens, der zauberhaften Landschaft. Die Sehenswürdigkeiten zählte er auf, ohne grössere Emotionen, ohne besondere Ereignisse zu notieren, die ihn fasziniert hätten. So wird die vermutlich abenteuerliche Schlittenfahrt über den Majola-Pass nicht näher beschrieben. Fakt ist: Vordergründig wollte Max so schnell als möglich nach Hause, in die Heimat.
„Donnerstag, 13.12., legten wir früh in Messina an, der Hafenstadt im Nordosten Siziliens. Ich kaufte Photos und besuchte die Zitadelle.
Die italienischenTruppen faszinierten mich. Militärmusik ertönte ganz laut.
Es ging weiter Richtung Neapel.“
Neapel und Pompeji
„Wir kamen am 14.12. früh in Neapel an.“

Bielefeld und Leipzig,
Verlag Velhagen und Klasing, 1914. © Dr. Thomas Nabert
»vedi Napoli e poi muori!»
(sehe Neapel und sterbe dann!)
„Vom Hafen aus gesehen bietet sich mir ein wunderschöner Anblick.
Ich sehe rechts Capri, Sorrento (Sorrent), Castel del mare, Pompeji, Torre del Grecco, Herculaneum und Portici am Fuße des Vesuvs, links sehe ich Ischia, Pozzuoli, Neapel – welch ein Blick.“
„Auf dem Nachhauseweg traf ich einen Guide, und er führte mich zu 2 bildschönen figlias, 60 frs.“

„Sonnabend, 15.12., besuchte ich Pompej: „la citta morta“
(Die tote Stadt) – mit den vielen Geheimen Cabinetts.“

Max hatte die geheimen Kabinette aufgelistet und die Katastrophen 63 u. 79 nach Christus sowie den Ausgrabungsfund 1861/72 notiert.
Aus der Transkription von
Johanna Haedicke aus dem 2.,
bisher nicht aufgefundenen, originalen Notizbuch.
Caprio/Capri
Insel in der Bucht von Neapel

Nach dem Besuch der Blauen Grotte, diversen Einkäufen und einem Friseurbesuch ging die Reise am 19.12. 1888 von Caprio schon weiter nach:
Rom

Foto oben li.: Blick zum Kolosseum, oben re.: Blick vom Pincio
Foto li.: Vatikan, Gemächer des Papstes Julius II., Stanzen Raffaels
Fotos Roswitha Franke, 2019
„… ich besichtigte in Rom den Vatikan, Galerie, Museum, die kleine Petrikirche mit den vielen Goldsachen, die Trajanussäule und Antoniensäule, das Capitol, Forum Romanum und das Colosseum. Abends besuchte ich die Aufführung „Orfeo“ (Orfeo ed Euridice).
Am nächsten Tag besichtigten wir 2 ½ Stunden per Droschke die Stadt: Palazzo Doria, Borghese, Panthenon mit der Leiche Victor Emanuels und die Latheran–Kirche, die reichste der Welt. Am Nachmittag besuchte ich Amalia und abends das Varieté – Theater.“
Am Sonnabend, 22.12., früh 9 Uhr, Abfahrt nach:
Florenz
Am Bahnhof holte mich Pastor Arthur Wessel pünktlich ab und wir unternahmen eine Fahrt durch die Stadt. Am Piazza Galileo erfreute uns eine prachtvolle Aussicht. An Loggia di Lanzi sahen wir eine Thusnelda-Statue. Der Dom ist prächtig und glänzend sind die Fassaden bemalt.
Am Piazza della Signoria besuchten wir ein gutes Schweizer Restaurant.
Fotos Birgit Richter, 1999
Sonnabend, abends 9 Uhr, Aufbruch nach:
Venedig
„Ich treffe am Samstag, 23.12. früh ½ 6 Uhr, in Venedig ein.“
Max findet in Venedig einen Brief aus Basel vor. Jetzt hält ihn nichts mehr. Er plant die sofortige Abreise.
„Ich fand einen Brief von Frau Burckhardt vor. Von „in Ungnade gefallen“ war gar keine Rede, da sie ihren Bruder (Georg Passavant) viel zu genau kennt…“.
„…deshalb reiste ich am gleichen Tag noch ab via Basel.“
Mailand
„Mittags war ich in Mailand, wo ich bis Montag, 24.12., blieb, logierte im Hotel Metropole. Ich besah den Dom mit den Silbergewölben seines Erbauers, des Hl. Antonius.“
Abreise von Mailand erfolgte am Dienstag, 25.12.1888.
„Ich fuhr per Bahn Richtung Como, von Como immer am Como-See entlang bei prächtigem Wetter, bis Chiavenna.“ Chiavenna liegt ca. 17 km nördlich des Comer Sees. Cernobbio liegt in der Provinz Como, Region Lombardei.

Cernobbio am Comer See. Foto Birgit Richter, 2018
Schweiz
Von St. Moritz führte die Reise in die
Region Majola (Samaden),
nach Davos, Zürich bis Basel.

„Am Mittwoch, 26.12., reiste ich per Schlitten über den Majola-Pass im Engadin (die Schlittenfahrt ist nicht kommentiert) hinauf via St. Moritz nach Samaden und Zuo (Gemeinden in der Region Majola), wo ich übernachtete. Am Donnerstag ging es weiter über den Fluela-Pass nach Davos.
In Davos besorgte ich mit Todtengräber Jacob Knesche das Grab von
Otto. (21)
Auch machte ich Einkäufe, da man mir in Mailand alles gestohlen hatte.“

Verlag… & Co. Samaden. Sächsisches Staatsarchiv, StAL, 22415 Nachlass Max Haedicke
Am Freitag, 29.12.1888, reiste Max über Zürich nach Basel
zu Frau Burckhardt und wurde freundlich empfangen.
- Er nahm am Sonntag den Tee bei E. Passavant,
- feierte Sylvester bei Fam. la Roche,
- war am Dienstag mittag bei Frau Burckhardts Mutter geladen
- und abends bei E. Passavant zum Souper, wo er „Licky, Klage der Mutter“ (nicht lesbar) geschenkt bekam.
- Mittwoch erhielt er eine 2. Einladung von Hans Passavant und besuchte danach den Kirchhof.
- Donnerstag nachmittag traf er sich mit Tante Passavant an der Kirche und am Freitag mit Mathilde Passavant „auf dem Eise“.
- Beim Souper bei Hans Passavant traf er Prof. Kollmann und einen Dr. med. Rauch.
Montag, d. 07.01.1889 „… ich verabschiede mich von Blanchet la Roche und Hans Passavant. Bei E. P. war niemand zu Hause.“
Montag, 2 Uhr, Abreise. „Frau Burckhardt gab mir zum Andenken das Besteck, die blaue Brille, Lothbys Bild (?) und beim Adieu noch 500 Mk. und zum Andenken das Bild von Carl.“ (Carl Passavant)
07.01.1889 Heimreise ab Basel
„… via Mengen nach München, dann am Mittwoch morgen nach Würzburg, 7 Uhr bis 1 Uhr gefahren. Mittags bin ich bei Neumeisters. Donnerstag ab 2.15 Uhr bis Jena gefahren, wo ich 8 Uhr eintraf. Dort ist alles beim Alten – langweilig bei den Bierstudenten. Freitag, 11.01.1889, besuchte ich die Philister in Jena: Rheymus, Schmidhei, Rose und Kneipe und habe nachmittags auf dem Eise die „alte Schöner“ wiedergesehen. Sonnabend nach Gera zu Prof. Schneider, wo Ella recht stattlich geworden ist und einst sehr hübsch zu werden verspricht. Sonnabend abend komme ich in Leipzig an und bin bei Sachtlers. Montag besuchte ich meinen ältesten Freund Elschner und reise Mittwoch, 16.01.1889,
von Leipzig nach Delitzsch.“ (Ab 1890: Wohnort Leipzig, s. Lebenslauf)

Die letzten Eintragungen im
Notizbuch
Max: „… das war das Ende vom Liede und der geträumten Herrlichkeiten.“
Es konnte nicht ermittelt werden, welche Herrlichkeiten sich Max erträumt hatte.

Kästchen.Buchbinderei Sabine Hillig, 2020.

ENDE