II.e 1888 – China bis Indien

China

Freitag, 12.10. 1888, „… wir legen an in Shanghai, vom Hafen Whan….“ (Wangpoo, eine alte Anlage am Jangtsekiang)

Das Foto zeigt den Verlauf des Jangtsekiang.

Shanghai ist die größte Stadt Chinas und liegt am zentralen Abschnitt der chinesischen Küste. Das Herzstück bildet die berühmte Uferpromenade Bund, an der Gebäude aus der Kolonialzeit liegen.  

 
Shanghai – die Kolonialhäuser. Foto Iris Fiedler, 2019

Max schreibt: „Shanghai ist zu 4/5 englisch. Die Stadt hat englische und französische Fremdenviertel und ist im wahrsten Sinn des Wortes eine Demokratie, alles Ehrenämter und alles durch Wahl, 2.100.000 Chinesen.
Ich besah mir auch Chinatown, von Lehmmauern umgeben, kehrte aber bald um, da [es mir] unheimlich [war]. Ich besuchte den Postmeister Römer aus Prag. Zum Tiffin bin ich geladen bei Dr. Cethegius, der mich im Club einführte. „

Shanghai, Am Bund, Abfahrtsort der Yangtzefahrt, 1913, Neite, Dr. Werner. P1388 StuDeO – Studienwerk deutsches Leben in Ostasien e.V.

Sonnabend und Sonntag fahren wir ab mit „S.S. Ava“, wo ich meine Sachen vorfand, immer an der chinesischen Küste entlang.

„Montag sind wir wieder auf der Höhe von Hongkong.“

Kartenausschnitt: Copyright Weltatlas.Online.de

 „Wir kamen ½ 3 Uhr in Hongkong an und logierten wieder im Hong Kong Hotel. Gleich begab ich mich zu Dr. Gerlach, der mich im Club einführte. Abends hörten wir Concert der S.M.S „Fanfan“ bis 3 Uhr früh.


„Wieder im Hong Kong Hotel“
1890s Hong Kong Hotel – submitted by moddsey Date picture taken (may be approximate):  Sunday, January 1, 1893 Gallery:  1890s Hong Kong

„… des Nachts hatte ich plötzlich heftige Choliken, Erbrechen war unstillbar, schlief nicht eine Minute und esse am nächsten Tag nur Porridge.“

Mittwoch, 17.10. 88, früh 8 Uhr, mit S.S Nu-ham  nach Canton (Kanton) (18)
den Fluß hinauf … Die Ufer des Perl River sind sehr schön, gebirgig, das Aqua klar. Mir geht es wieder besser – aber appetitlos.
Ich erfahre, dass ein Ticket via Calcutta – Bombay – Suez 300 $ kostet. Vielleicht reise ich so.“

Die Chinesen leben auf Dschunken (Puffis), Frauen tragen die neugeborenen Kinder auf dem Rücken. Wie auch in Wampu (Huangpu, früher Whangpoo) so umschwärmen 100-150 Dschunken unser Boot. Weiber kreischen mit Kind auf dem Rücken.“

Boote auf dem Wangpoo, Abfahrtsort einer Jangtzsefahrt, 1913, Neite, Dr. Werner, P 1387 – StuDeO – Studienwerk deutsches Leben in Ostasien e.V.

„In Canton sind wir am Nachmittag 3 Uhr angekommen, wo ich von der Firma Pushan & C. gut aufgenommen werde. Ich kaufe zuerst für Clärchen eine Haarbrosche (1 $ ) und  diverse Gold- und Silbersachen (5 Pfd).“

„Beim Spaziergang durch Canton sehe ich …

einen chinesischen Soldaten ein Gewehr putzen ohne Schloß, Modell 1843. Sie drücken nur los. Auf der Offiziersschule haben sie keine Gewehre. Nur 8 können schreiben, und die Rechenmaschine ist nicht sicher und schnell.
Ich sehe die Mädchen: Die halbwüchsigen Mädchen sind schon Kupplerinnen – für 5 Pfd wird verkauft, pro Monat 50 oder für 1.000-1.500 Pfd gänzlich.“

„Abends bin ich im Internationalen Club. Da erzählt man sich:
1883 wurde die Stadt Schami (vermutl. Shawanzhen) nahe Canton von Chinesen gestürmt. Seitdem ist hier Besatzung. Der Commandant ist mit Kopf für die Sicherheit verantwortlich. Um Geld zu erpressen, werden sie (die Aufrührer) im Gefängnis mit Leichen zusammengebunden.“
  (19)

Donnerstag, 18.10., früh mit Führer und 2 Sänften und 9 Kulis in Canton – die Strassen sind so eng, dass man beiderseits die Wände berührt … ich sehe …

… 6 blinde Mädchen, die einander führen.“

Gerichtshof und Gefängnis

„Wir besichtigen den Gerichtshof und auch das Gefängnis, wo ich viele Theediebe sah: Zwei wurden gefoltert, d.h., an der großen Zehe und Finger aufgehängt – und am Zopf. Sie werden in Körben gefesselt herbeigetragen, sie knien, schweben oder liegen auf Ketten 2 Stunden täglich. Soldaten begleiten sie ohne Schloß am Gewehr…“

Es begleitete mich Herr Dr. Schramayer, Dolmetscher am Consulat.

Wir besehen den Buddha Tempel – 3 kolossale Goldfiguren und 18 kleinere. Der Kaiser schenkte eine Inschrift „five story Pagode“.

Sehr schöne Aussicht auf Canton, Gräber, die Mauer. Ich kaufte 2 alte Chris 75 $.“

„Wir sahen viele sehr junge Mädchen aus der Mongolei – die Füße so klein wie ein neugeborenes Kind, sie konnten kaum laufen, die Haare schön frisiert.“

„Am nächsten Tag besehen wir den 500 Genien Tempel, alles Gold, und danach eine Seidenweberei mit Mädchen (7 Jahre), alle mit eingewickelten Füßen.
Und wir sahen „water clock“, 3 Eichengefässe, wo das Aqua tropft, oben schneller, unten langsamer.“

„… abends bin ich bei Dr. Schrameyer geladen.
Wir tranken Bier aus ganz kleinen Tassen – es gab Hundewurst, Haifischflossen, chinesische Champignons.“

Ausschnitt: Copyright Weltatlas-Online.de

Sonnabend, 20.10.88 „… mit dem Dampfer fahren wir früh 8 Uhr ab auf dem Perlfluß nach Macao, wo wir nach 7 Std anlangten.“


„Ich machte einen Spaziergang nach der Kathedrale und besichtigte das Fort. Abends hörten wir ein Conzert im Camons Garten Hotel und genossen die prachtvolle Aussicht ringsherum. Spielhöllen überall.

Canton, Dschunken auf dem Perlfluss, vor 1920. Bürgermeister Lore, P 1670 StuDeO – Studienwerk deutsches Leben in Ostasien e.V.

Montag früh ging es in 3-4 Stunden zurück nach Hongkong. Ich packte eine Kiste für Zuhause (5 Pfd Versicherung) und suchte Dr. Gerlach auf.

Dr. Gerlach erzählte mir:

„… dass die Chinesen 3 Jahre Medizin studieren (Materia medica). Sie haben kein Vertrauen zu Ärzten der Chirurgie  „outside“ – chinesische Doctores „inside“ better. Sie fragen: „Um wieviel Prozent machst du mich gesund? Wenn ganz, zahle ich 100 $, wenn halb 50 $ etc.“

Dienstag, 23.10., “… ich bat Dr. Gerlach zum Tiffin.
Beim anschließenden Spaziergang zeigte er mir viele Bäume und Farne sowie Betelpalmen, malaiisch Ilang-Ilang. Die Wasseranlagen sind prächtig. Ich aß Bumalos=Pampelmus. Ceylon-Tee und Heukas Tee (?) sind die besten der Welt.
Einkauf: Fächerhalter, Tigerzähne, Karten. Leider fand ich den früheren Chinesen mit den schönen Goldwaren nicht wieder, verfehlte dadurch fast meinen Dampfer.
Auf dem Fluß sehe ich viele Schiffe mit Wellrädern und Treträdern – d.h., hier ist Menschenkraft im Überfluß.“

Abschied von Hong Kong

Victoria Harbour and Hong Kong Island in the 1860s . Unknown author History of Hong Kong.

„1/2 12 Uhr bestieg ich den  Dampfer
„P. u. O. Steamer Hydospes“ in Richtung

Singapore.“

„An Bord sind wir am Donnerstag, 25.10. Essen gut, Bett gut, ich lese „Organon“ und studiere Homöopathie.“

Meine Reisegesellschaft, außer mir und meinem Begleiter:

  • 2 kleine Japanerinnen,  immer noch seekrank
  • 1 Engländer, der perfekt chinesisch spricht
  • 1 grässlicher chinesischer Opiumraucher
  • 2 Navy Officers, an Phthisis (Schwindsucht) leidend
  • 1 Missionar, der am Sonntag Kirche macht.“

„Ich registriere: Straßen gibt es in China nur eine, wo der Kaiser jährlich geht, um bei seinen Vorfahren zu beten.
Die Chinesen sind sehr conservativ, z.B. fahren sie einen zweirädrigen Karren, beladen ihn mit Steinen, dann aber nehmen sie ihre Bamboos (Stangen) und tragen auf den Schultern den Karren weg!“

Singapore (Singapur)

Bereits am 23.08.1888 wurde in Singapur, von Batavia kommend, Station gemacht
(vgl. II c Indonesien bis Hongkong)

Foto Susan Schmidt, 1992

29.10. 1888, Montag früh 10 Uhr kommen wir in Singapore an.“ (Singapur)
Insel- und Stadtstaat südlich vor Malaysia und der kleinste Staat von Südostasien. Im chinesischen Viertel Chinatown von ca. 1820 liegt der rot-goldene Buddha Tooth Relic Tempel, in dem sich ein Zahn Buddhas befinden soll.

„Ich begab mich zu Mr. Rappa, den ich leider 2 mal nicht antraf – dessen Mutter verschollen, Schwester vor 3 Jahren an der Straße gesehen.
Ich suchte Dr. Rocha auf, fand ihn zusammen mit Dr. Tschisch, einem Botaniker aus Berlin, und wir frühstückten gemeinsam zusammen. Geburt: 100 $ [erhalten].

„… wir sehen den rot-goldenen Buddha-Tempel und treffen in der Stadt neben den Malayen, die kein Wort für „fleißig“ haben (faul: malao), auch Hindus und Tamils, die ihre eigene Sprache haben.
Verordnungen werden erlassen in: englisch, chinesisch, malayisch und tamilisch. Auch handeln die Malayen sehr, ein Droschkenkutscher verlangt immer das Doppelte.“

Malaysia

Regenwald Malaysia. Foto Lisa Wiedemann, 2012

Dienstag, d. 30.10. – Mittwoch, 31.10. „… wir begeben uns auf den Weg nach Penang und fahren langsam per Schiff durch die Straße von Malacca … das Essen ist für meinen schlechten Appetit leidlich.“

Die Reisegesellschaft besteht aus:

  • dem Bedienten (companion) und seinem jüdischen Herrn
  • dem Missionar Mr. Turner
  • 2 ständig betrunkenen englischen Navy Officiers
  • 2 Matrosen
  • einem fieberkranken New Yorker aus Siam
  • 1 Unteroffizier aus Singapore mit Familie

„Donnerstag, 01. 11.1888, früh ½ 10 Uhr,
wir landen in Penang (George Town
).“

Blick auf George Town (ehem. Penang)
vom Penang-Hügel.
Foto Juliane Richter, 2016

Penang bezeichnet sowohl die 292 km² große Insel in der Straße von Malakka als auch den gleichnamigen Bundesstaat Malaysias, überwiegend von chinesischstämmigen Malaysiern bewohnt. Hauptstadt des Bundesstaates und der Insel ist George Town im Nordosten der Insel. Die Stadt wird heute noch von Einheimischen Penang genannt.

„Zuerst fahre ich zu Mr. Okura und treffe dort die kleine niedliche Japanerin, sehr schön. Auf dem Rückweg lief ich durch die Stadt, es ist sehr heiß. ich sehe die Tempel und …
ich sehe auf der Straße ein Tamylweib, schmutzig im höchsten Grade, dazu Ringe durch die Nase, schrecklich.“

„Ich erfuhr im Club viel Interessantes:

  • die Malaien sind Mohammedaner und wollen nicht photografiert werden,
  • die Tamils sind Hindus aus Madras  und Buddhisten,
  • die Parsen verbrennen ihre Leichen in Bombay,
  • die Singalesen kommen von Ceylon,
  • die Chinesen waschen sich nicht – erstaunt, wenn sie zum ersten Mal Seife sehen,
  • von einem Reisenden aus Siam, dass der König 600 – 700 Weiber hat und
  • man für einen Elfenbeinzahn 100-150 Rupien zahlt.“

Blütenpracht in Malaysia. Foto Susan Schmidt, 1992

Sonnabend, 03.11. „Wir sind auf dem Weg
nach Colombo…

… und haben heute 302 Meilen durch den Indischen Ozean zurückgelegt. Die See ist prachtvoll, das Wetter schön heiß. Wir sehen Adams Pick (Adam`s Peak) vom Schiff – sehr schön.“
Der Adam’s Peak ist ein 2243 Meter hoher Berg im zentralen Hochland Sri Lankas. Er befindet sich im Distrikt Ratnapura in der Provinz Sabaragamuwa.

Ceylon (Sri Lanka)

Ceylon (Sri Lanka). 2 Ansichten. Aus: Neuer Volks- und Familienatlas, Verlag von Velhagen und Klasing, Bielefeld und Leipzig, 1901. © Friedrich Pöge

Colombo

Dienstag, 06.11.1888
„… wir legen früh 1/2 8 Uhr in Colombo an …“

Colombo, die Hauptstadt von Sri Lanka (vor 1972 Ceylon), hat eine lange Geschichte als Hafen auf alten Ost-West-Handelswegen und wurde nacheinander von den Portugiesen, Holländern und Briten beherrscht. Dieses Erbe spiegelt sich in der Architektur wider, denn hier stehen Gebäude aus der Kolonialzeit.

Dienstag, 06.11. Wir legen früh ½ 8 Uhr in Colombo an. Als erstes begab ich mich zusammen mit Mr. Hodge, Beamter in Penang und auf Urlaub nach Melbourne, und mit Missionar Mr. Turner, in die Stadt.
Doch schon am Mittag ging es von Colombo per Bahn nach Candy (Kandy), 72 Meilen.“

Candy (Kandy)

Kandy ist eine große Stadt in der Landesmitte Sri Lankas. Im Zentrum der Stadt liegt der idyllische Kandy-See, der auch unter dem Namen Bogambara-See bekannt ist. Kandy ist für seine buddhistischen heiligen Stätten berühmt, darunter der Zahntempel (Sri Dalada Maligawa), zu dessen Ehren alljährlich spektakuläre Prozessionen stattfinden.

“ … einen netten Herrn getroffen, der sehr gern deutsch sprechen hörte. Er hatte für Hagenbeck viel eingekauft und führte uns ins Family Hotel, wo wir billig logierten.
Der See (Kandy Lake) wurde vom letzten König Sri Lankas 1801-12 künstlich angelegt, um dem Zahntempel der Stadt noch mehr Schönheit zu verleihen.“
Er ist einer der wichtigsten Tempel in Sri Lanka und einer der heiligsten Orte im Buddhismus.
„Wir bewundern den See in der Stadt, den Zahn Buddhas und das Badehaus des früheren Königs. Auf der Schwelle des Tempels befinden sich die Platten, auf denen der König gekrönt wurde, die Heilige Kuh und der Elephant. „

Mittwoch, d. 07.11., fuhren wir früh 7 Uhr wieder zurück nach Colombo, wo wir  11 Uhr eintrafen. Der Lokomotivführer war ein Deutscher.
Wir nahmen das billigste Hotel“ British-India“.

„Ich kaufte
noch Kuriositäten,
auch
Zimt, Coco und Thee.“

Wandteller aus Siam (ab 1939 Thailand)

INDIEN

Karte von Alt-Indien, bearbeitet und gezeichnet von Dr. H. Kiepert.
Drawn by Henry Kiepert L.L.D. at Berlin, 1853.
© Leibniz Institut für Länderkunde Leipzig

„Donnerstag, 08.11.1888, nachmittags ½ 5 Uhr legen wir ab von Candy (Kandy) Richtung Bombay (Mumbai) auf dem Segelschiff „S.S. Hydaspher“.
Wir kamen am Cap Comora vorbei und sahen immer wieder Land. Wetter prachtvoll.“

„… ich traf einen Deutschen, Mr. Falke, Oberkoch und Manager (später in Bombay Manager in Wattsons Hotel). Er war auf Seminar in Weißenfels und studierte in Halle. Er hat die ganze Welt gesehen, ist aber ein „unsicherer Cantonist!“

„… es ist abends sehr unsicher in allen Hafenplätzen, denn die dortigen Chinesen retten keinen Menschen, weil sonst der „böse Teufel“ in sie fahren würde. In Indien sieht man viele Götzenbilder, Linka genannt. Das ist eine weibliche Scheide und ein männliches Glied, woraus Gott Brahma, der Schöpfer-Gott, hervorgegangen sein soll.“

Bombay (Mumbai)

Am Sonntag, 11.11.1888, landen wir in Bombay. Sogleich begab ich mich zum Great Western Hotel, wo ich mich schlecht genug befand. Dann besah ich mir die Stadt mit ihren prächtigen öffentlichen Gebäuden.“

„… dann besah ich mir die Stadt mit ihren prächtigen öffentlichen Gebäuden.“

Universität Mumbai, gegründet 1857 als Universität Bombay

„Am Montag suchte ich Ehlers bei Glade & Co. auf. Er stellte mich Otto Martin vor, einem Elfenbeinhändler, der mir meinen Einkauf und eine Kiste besorgte. Ich decidierte ihm dafür einen Teller, eine alte Curiosität (4 Rupien, heute rund 4 Cent).“

„Am Nachmittag traf ich Dr. Merk und fuhr mit ihm zu den iMora Caves.

Zuvor aber hatten wir noch gefrühstückt und Gemsen gejagt.


Nach 9 (neun) stündiger Bahnfahrt sind wir endlich angekommen und nahmen uns sofort eine Dunka.“

„Die Fahrt zu den iMora Caves
(Elephanten Caves)
dauerte wieder 7-8 Stunden.“

Max ist begeistert und schreibt: „… die iMora Caves sind großartiger als die Elephanten  in Bombay, die durch die Portugiesen zerschossen sind. Alles in Fels gehauen, meist Buddhas u.a. Götter. Vor allem aber sind die Höhlen bewundernswert.
Es ist ein großartiges Wunder – gleich dem Taj Mahal in Agra, dem Palast aus Halbedelsteinen, Marmor, Gold und Silber.“

„Ich sah auch die Parsen am Meeresstrand, wo sie laut beteten, da sie die Elemente verehren. Jeden Abend sind sie hier zu treffen. Sie kleiden sich europäisch, aber faktisch laufen die Inder nackt umher, auch in Matheran.“

„… großartiger als die Elephanten in Bombay …
Fotos: Lisa Wiedemann, 2012

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„… die indischen Dörfer sehen sehr ärmlich, aber reinlich, aus. Wir kamen abends zurück und waren am Mittwoch früh 10 Uhr wieder in Bombay, wo ich am Abend in Bandra bei Ehlers eingeladen war und die Nacht verbrachte. Einen indischen „nantsch“ Tanz (Anm.: vermutlich einen Tanz religiösen Ursprungs) habe ich leider nicht sehen können. „

Donnerstag, 15.11., „… ich fuhr früh mit den Herren in die Stadt. Dort sahen wir den Tower of Sibut („Silence, Türme des Schweigens“), wo die Geier die Parsenleichen fressen, und wir sahen den Platz, wo die Hindus ihre Leichen verbrennen.“

Am Nachmittag kaufte ich einen echten Kashmirschal (16 Rupien) mit Herrn Otto Martin, dem Elfenbeinhändler, der mir überhaupt sehr gefällig war, sodaß ich ihm einen alten Parsenteller schenkte.
Abends sind wir im Club „Liederkranz“, dort traf ich einen deutschen Kapitän aus Sansibar:
ESSEN GUT   –   SIAM GUT !

Freitag reisten Dr. Merk und Möhrmann ab, daher musste ich mit meinem Ticket, nur II. Klasse, noch 8 Tage warten. LEIDER!

Max ist sehr unzufrieden und bemitleidet sich: „Mein Geld war fast alle bis auf 38 Pfd. Dank der „Hochherzigkeit“ von P. fuhr ich wieder II. Salon –
was ja für einen Begleiter gut genug ist!“

  • „… da ich Zeit hatte, begab ich mich später nach Matheran, ein idyllisches Bergdorf.(Bedeutet „Wald auf der Stirn“)
  • Am Sonnabend, 17.11., fuhr ich zu Herrn Ehlers nach Bandra (Vorort von Bombay), wo ich über Nacht blieb und von dort aus direkt per rail nach Narett fuhr.
  • On horseback kam ich in 2 Stunden in Matheran wieder an.
  • Dort blieb ich von Montag bis Donnerstag, studierte fleißig (Homöopathie) und las mit großem Interesse Paul Heyses „Die Kinder der Welt“. Sehr gutes Buch, sittlich gedacht und geschrieben.
  • Auch machte ich kleine Ausflüge, pro Tag 5 Rupien, zu den spektakulären Aussichtspunkten der Hügel und sah auch das Indische Fort.“

Freitag, 23. 11. 1888 – Abreise von Bombay mit
„SS. Siam“ nach Aden

  • Das Schiff war gut besetzt. Ich bin in einer dunklen Kabine und spreche manchen Tag nicht 10 Wörter. Studiere Homöopathie.
  • Meine Nachbarin in der Kabine nebenan: eine Soldatenfrau.
  • Plötzlich kam ein englischer Offizier in meine Kabine: ein englischer„Demi-Monde“. (frz. demimonde, Halbwelt, bezeichnet eine „sich mondän gebende“ und „elegant auftretende, zwielichtige, anrüchige Gesellschaftsschicht“.)

An Bord traf ich auch einen Deutschen: Er stammte aus Zwenkau bei Leipzig, G. Wutzler, Charleville Hotel Mussoorie, India, der als armer Koch rauskam und reich wurde. Er will sein Töchterchen nach Hause bringen.

In ca. 6 Tagen werden wir Aden erreichen.