II.a 1886 – Hamburg-Basel-Hawaii

23.06. 1886 Abreise nach Basel
zu Carl Passavant (1)           

Carl Passavant 1880 als Mitglied der Corps Franconia Tübingen und Tigurinia Zürich/ Archiv des Corps Rhenania Heidelberg, Best. B X 06, Nr. 128

“ … von Familie Passavant-Burckhardt (Frau Burckhardt ist die Schwester der Gebrüder Passavant) bin ich freundlichst aufgenommen worden. Übernachtung bei Schwager Burckhardt. Abends bei Dr. Passavant erlebte ich ein Gartenkonzert mit der Familie. Visite bei Ziegeleibesitzer Passavant.“
In den folgenden Tagen standen Ausflüge nach Luzern, dem Luzerner See sowie die Besichtigung der Ziegelei und abendliche Veranstaltungen im Alpenclub auf dem Programm. Reisevorbereitungen wurden getroffen:

  • “ Ich besorgte u.a. Anzüge, 50frcs., diverse Jägersche Kleidung, Oberhemden 150 frcs.
  • Abends bin ich im Schweizergarten gesessen und habe danach Abschied genommen von Familie Passavant.
  • Von Herrn Hans Passavant bekam ich einen sehr schönen Operngucker decidiert und von Dr. Passavant 50 frcs.
  • Am Montag früh besuchte ich das Ethnologische Museum (heute: Museum der Kulturen Basel).
  • Auflistung aller Arzneimittel in der Reiseapotheke.“

Abreise erfolgte abends 10 Uhr nach Hamburg (84 Mk, 10 frcs), Schlafwagen bis Heidelberg, 15 frcs. plus Fracht. Weiter ging es über Bebra – Göttingen – Hannover.
Ein Kellnerknabe reichte mir auf Verlangen kein Bier, er grinste nur!“

Dienstag, 05. 07.  „Abends ½ 9 Uhr in Hamburg angekommen, steigen wir ab im „Hotel de l‘ Europe“ am Alsterbecken. Ein sehr komfortables Hotel mit Personenaufzug, Zimmer von Mark 2,50 an. Man speist in dem prächtig decorierten Saal des Hotels (eines der neuen Gasthofspaläste am Alsterbecken) zu 130 Couverts (Tischgedecke). Abends bin ich allein bei Renz auf St. Pauli, da sich Carl Passavant sehr schlecht befindet“.

Sonnabend, 09.07. „Pass eingetroffen. Das Gepäck zum Hafen transportiert, à 250 Mark pro Person.“

Sonntag, 10.07. „Abfahrt 10 Uhr mit steamship „Gellert“ der Deutsch-Amerika-Packetfahrt-Gesellschaft. (2)
Ruhiger Seegang. Um 2 Uhr Ankunft in Cuxhaven. Carl Passavant hohes Fieber.“

Historisches Marine-Archiv, Liste der HAPAG-Seeschiffe, 1848–1970.
1875 steamship Gellert 3497BRT – A.Stephans & Sons – Adler
Linie/1875 an HAPAG, 1895 verkauft, 1896 Abbruch .
(Quellen: Historisches Marine-Archiv, Liste der HAPAG Seesschiffe, 1848-1870, HAPAG Schiffsfotos 1880, norwayheritage.com)

„Montag, 11.07.1886 „… bei riesigem Nebel sind wir durch den Canal gefahren und erlebten beinahe eine Carambolage mit einem uns kreuzenden Segelschiff. Nachts wiederholt gestoppt!“

  • Dienstag, 12.07. „… bis 12 Uhr mittags auf der Reede von Le Havre gelegen und erst nachts abgefahren, an Cornwell vorbei und an den 2 Leuchttürmen.
    An Bord ist fast alles seekrank. English studies, nachmittags getanzt nach Zigeunermusik.
  • Am 19.07. kommen wir in die Nähe des Golfstromes. Die See ist ruhig, doch heute zieht ein heftiges Gewitter auf, und es gibt Regenwetter die folgenden 2 Tage.“
  • Freitag, 20. bis Sonntag, 22.07.: „Ich lese und übersetze „Tramp abroad“ by Mark Twain für A.M. “ (keine Erklärung für A.M.)

AMERIKA

Aus dem Tagebuch: Li. unten: „AMERIKA!!

Sonnabend, 23.07.1886 Ankunft in New York

„Wir sind in New York. Die nächsten Tage sind ausgefüllt mit Besichtigungen, Kultur und Kneipenbesuch: Fifth Avenue, Central Park, Hoboken. Mit Mr. Lüders besuchen wir eine deutsche Kneipe, sehen die Beethoven Hall und die Freiheitsgöttin … Befinden von Carl Passavant sehr schlecht.“
Es folgen tägliche Eintragungen über den schweren Krankheitsverlauf von Carl Passavant.

Sonnabend, 30.07.1886 Ankunft in Chicago

Sonntag, 31.07. „Abfahrt abends 1/2 11 Uhr, mit Burlington & Quincy Railroad (CB&Q) (3) – Babu Salamanca Railway – quer durch den mittleren Westen der USA, vom Atlantik bis zum Pazifik:   Pennsylvania, Niagarafälle – Ohio – Indiana – Illinois – Iowa– Nebraska – Utha – Nevada – California.
(Einzelheiten der Reisestationen quer durch die USA sind im Notizbuch nicht dokumentiert.)

Freitag, 05.08.1886 Ankunft in San Francisco

„… mit Ferry übers Meer gefahren, 2 Züge geladen. Ankunft mit Fähre in San Francisco. Wir wohnen im Prescott-House, G 37 Golden Gate Ave.“
Erster Spaziergang mit Carl Passavant: „bad “ – er ist nicht glücklich.“

Sonnabend, 06.08. —„wir ziehen um vom Prescott House nach Palasthotel. Ein großartiges Haus, ringförmig, ein Luxushotel mit 800 Zimmern.“

Palace Hotel. St. San Francisco Market, Cal., jpg, (wikipedia org). Alte Aufnahme vor 1886.

„… es ist ein chinesischer Feiertag. Ich sehe am Abend einen großartigen Umzug. Sehe auch den Tempel, das Theater und die Opiumraucher, Tingel-Tangels (Varieté) – Haus an Haus – mit 7 Elevators (Aufzüge).“

„In Chicago und in San Francisco sehe ich deutsche
Pferde-Eisenbahnen.“

„Die Tage bis zur Abreise nach Honolulu verbringe ich mit Carl Passavant, mit Kartenspiel, Lesen, Studieren der Verfassung der USA, Einkäufe, Spaziergänge und Concerte sowie „Hula-Hula“ im Palace Hotel.“

„Merke seit Freitag früh ziehende Schmerzen im Hals, die bis heute andauerten, dazu noch Zahnschmerzen!“

„Zahnarzt im Hotel, sensationell:
ELEKTRISCHE BOHRMASCHINE!“

Carl P. geht es sehr schlecht, ist sehr nervös und sagt:
„Wenn es noch länger so fortgeht, bin ich fertig.“

Freitag, 13.08. „1000 $ von Anglo-Amerikanischer Bank geholt, Tickets to Honolulu 100 $.“

Im Folgenden notiert Max spektakuläre Ereignisse:

  • 10 Meilen von hier ist eine Nitroglycerinfabrik in die Luft geflogen „welch Panorama!“
  • Ein Zug zwischen Cleveland und Chicago durch Brückenbrand verunglückt – 120 Tote!
  • Ein Zug der Southern Railway ausgeraubt – 20 000 US$ von 5 Mann erbeutet
Li. unten: „10 Meilen von hier Nitroglycerinfabrik in die Luft geflogen…“

Dienstag, 15.08.1886 Abreise nach Hawaii

An Bord der „Australia“ (4) erleben wir die ersten Tage eine aufgeregte See, alle sind seekrank. Es ist sehr kalt. Nur langsam bessert sich das Klima, es wird etwas wärmer.
Der Zustand von Carl Passavant ist sehr schlecht, er hustet viel. Aus der Nachbarkabine: „let me quiet now!“
(laß mich jetzt in Ruhe – exakt: be quiet now – sei jetzt ruhig)

steamship Australia, 2208 BRT Mitchel & Co., 1881 gebaut, von Carr angekauft, 1902 in der Schelde gestrandet
und zerbrochen.
Vgl. Anm. (4) Australia, google-maps, toursmap. com.
HAPAG Schiffsfotos 1880

Hawaii

Hawaii (heute auch: Big Island) ist die größte Insel (Inselgruppe) des US-Bundesstaates Hawaii.
Hauptstadt ab 1845: Honolulu, Oàhu.
OAHU mit Hauptstadt Honolulu. Fotos aus: Velhagen & Klasings Neuer Volks- und Familien-Atlas. Hrsg. B. Scobel. Ausgeführt von der Geographischen Anstalt von Velhagen & Klasing, Leipzig 1901. © Friedrich Pöge.

„Am Dienstag, 22.08.1886, kommen wir in Honolulu an und erblicken als erstes amerikanische Kriegsschiffe. Wir suchen das Havairian-Hotel  sowie Lanz bei Schäfer & Co. auf und lernten am Mittwochabend den amerikanischen Schiffsoffizier Bostick kennen. Am Donnerstag geniessen wir die herrliche Aussicht auf zwei Seiten des Meeres und besuchten auch eine Zuckerplantage.“

Dieses Bild hat ein leeres Alt-Attribut. Der Dateiname ist Tagebuch-14.jpg
Li. oben: Dienstag, 22.VIII. Ankunft in
Honolulu, Hawaii.“
„Diamand Head. Ankunft in Honolulu 1888“. Fotograf unbekannt,
vermutlich G. Passavant. (F) Vc 2677, Museum der Kulturen Basel.
Album DEP. G. Passavant, III.2.a.Reisebeschreibung I.Teil.pg 54
(Anm.: Der Diamond Head ist eine 232 m hohe Tuffsteinformation auf der hawaiischen Insel Oʻahu und das Wahrzeichen von Honolulu und Waikīkī. Sein englischer Name stammt von Seeleuten aus dem 19. Jahrhundert, die die Calcit­einsprengsel mit Diamanten verwechselten. )

Einzelne Notizen von Max:

  • „Meine Meinung: Königs Kapelle gut – aber dessen Moral „Hule-Hule“ ??
  • Der Opiumhandel der Chinesen floriert, 75.000 US $, ein anderer 80.000 US $ pro ?? (nicht lesbar).
  • Wir mieten Mr. Whests Villa 50 US$ pro Monat. Ein Chinese als Koch 30 pro Monat, ein Clarc 200 pro Monat.
  • Es gibt Früchte: Aprikosen, Orangen, Paradiesäpfel, Bananen, Tomatoes, Caffee, Kokosnüsse, Pfirsiche, Alligator pears (wie Eier).“

Von Okt. 1887 bis April 1888 führt Dr. Max Haedicke
als Arzt und Homöopath
eine Praxis in Honolulu

1887

Max erhält die Genehmigung zur Führung einer ärztlichen Praxis in Honolulu. Er soll als deutscher Arzt auch zur Behandlung des letzten Königs von Hawaii, Kalakaua, als Leibarzt hinzugezogen worden sein (lt. mündlicher Überlieferung der Familie, durchaus denkbar, jedoch nicht belegt).

Ärztliche Unterlagen sind nicht überliefert. Des öfteren aber notierte Max Honorarzahlungen bzw. erhaltenes Entgelt für seine Behandlungen während der Reise. Von C. bzw. G. Passavant erhält er monatlich als Begleitperson einen Betrag von 200 US$. Das reicht nicht zur Deckung seiner Unkosten. Max muß „hinzuverdienen“.

Lizenz zum Praktizieren in Honolulu, amtliches Dokument, 1887
Sächsisches Staatsarchiv, StAL, 22415 Nachlass Max Haedick

Die offensichtlich separat geführten ärztlichen Nachweise sind nicht überliefert oder verloren gegangen. Darüber hinaus fehlen ca. 4 herausgeschnittene Seiten des Notizbuches sowie ein ab Okt. 1888 geführtes 2. kleines Heftchen, das bisher nicht im Haedicke-Nachlass gefunden worden ist. Die Transkription zu den lesbaren Eintragungen jedoch ist vollständig erhalten.
(Sächsisches Staatsarchiv, StAL, NL 22415 Max Haedicke)

Erst ab Mitte Sept. 1887 ermöglichten wieder lesbare Eintragungen eine Transkription.

Mittwoch, d. 31.08., „… gestern abend bin ich bei Mr. Renger, Schäffer & Co. geladen, zuvor höre ich ein Conzert. Heute abend bei Lanz geladen.“

„… wir reiten nach Waikiki … wonderful.“
„Honolulu Waikiki Diamond Head. Blick vom Diamond Head aus
nach Osten über Waikiki mit Strand, Hotelbauten und Honolulu
im Hintergrund, Juni 2018. © Prof. Dr. Andreas Berkner

Donnerstag, 01. 09.1887 „… wir reiten nach Waikiki. Die Aussicht und Gegend sind wonderful. Mittags haben wir das LEPRA-Hospital besehen“ (keine näheren Ausführungen).

Freitag, d. 02.09., sagt Carl zu Max: Wenn ich in 1 bis 2 Jahren wieder gesund bin, dann will ich auch China und Japan ansehen.“

Sonnabend, 03.09., abends bei Carl. Appetitlos: „wenn es mir in 1 oder 3/4 Jahr nicht besser geht, können Sie mich hier begraben.“
Am nächsten Tag geht es ihm sehr schlecht, kann kaum stehen und steht zum 1. Mal nicht auf.

Linke Seite, unten:. Freitag, 02.09.1887…“ wenn ich in 1-2 Jahren wieder gesund bin, will ich auch China und Japan ansehen…“

Es folgen Notizen über die rapide Verschlechterung des Krankheitsverlaufes von Carl:
„Carl phantasiert „… ach, hätte ich doch einen Brief von Zuhause und die Kiste …“. Max wäscht ihn, er trinkt Cognac: „Sie träumen, ich dachte, es geht Ihnen besser…“. „Ja, ich bin nur deprimiert, dass ich nichts tun kann.“ Am 17.09.  kommt Mister Makintosh, Heiliges Abendmahl mit Lanz und Suhr. Am Sonntag, 18. 09., Untersuchung durch Dr. Miner.“ (Eine genaue Diagnose der Krankheit, vermutet wird ein Virus, konnte nicht in Erfahrung gebracht werden.)

Carl Passavant stirbt am Donnerstag,
22. September 1887, ¾ 9 Uhr.

Er wurde nur  33 Jahre alt.

Von links: Carl Passavant, Traugott Pauli und Jasper. Madeira 1883/84. Fotograf unbekannt. Copyright Museum der Kulturen, Basel, (F) III 23569.

Einige nachfolgende Seiten sind nicht mehr eindeutig zu entziffern. Die Eintragungen betreffen die Regelung des Ablaufs der Beisetzung, Grab, Pastor, Telefon, Apotheke sowie Patientennotizen, Anschaffungen, gezahlte Löhne.

Dienstag, 27. 09. „Früh 10 Uhr brechen wir auf zur Hauptinsel des hawaiischen Archipels, Big Island, zum Besuch des Vulkans Kilauea, 4.247 m hoch, am schwarzen Sandstrand von Punalu’u. Wir übernachten im Punaluum Hotel.“

Mittwoch, 28. 09.1887 Aufgebrochen –
zum Krater Kilauea

30 Miles railroad (Eisenbahn) – than horseback (zu Pferd)

Donnerstag, 29.09.1887 Am Krater Kilauea

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Trip to Vulcano-
die großartigste,
merkwürdigste
Schöpfung der Natur

…die ich bisher gesehen habe, habe bewundern können. Niagara Falls, die Canons in Colorado,  Geysire im Nationalpark, Eisfelder Alaskas, Thal des Josemite Nationalpark California. … sie alle müssen zurückstehen vor dem nicht in Worte zu kleidenden, überwältigenden, einzig in seiner Art dastehenden Eindruck durch den siedenden Krater… Eruptionen, deren Großartigkeit, zumal nach Eintritt der Dunkelheit … ist nicht zu beschreiben. Ich werde die Eindrücke des gestrigen Tages nie vergessen.“

Oberes Foto: Kilauea Krater, Febr. 2020. „Zu diesem Zeitpunkt bestanden dort keinerlei vulkanischen Aktivitäten. Aufgrund massiver Böschungsbrüche 2018 war eine größere Annäherung nicht möglich.“ © Prof. Dr. Andreas Berkner
Unteres Foto: Kilauea Iki, Febr. 2020. „Hier ist der Kontrast zwischen tropischer Vegetation und relativ jungen Lavafeldern, ausgehend von einem Ausbruch von 1959, gut zu sehen.“
© Prof. Dr. Andreas Berkner
Anm.: Erneuter Ausbruch des Vulkans am 21.12.2020.

.

Freitag, 30.09.  Wir sind zum „Waiau Lake“ geritten – prächtig!“

Der Waiau-See, ein kleiner Bergsee, liegt direkt unterhalb des Gipfels des Mauna Kea-Vulkans auf der großen Insel Hawaii. Wikipedia

Dienstag, 04.10. „… Es geht zurück nach Honolulu. Von Mittwoch bis Sonntag bin ich in Waialua an der Nordküste auf der Insel O’ahu bei Mr. Ahrends (durch Mr. Wiedemann-Berger), in Anwesenheit von Konsul Mr. Glade, Mr. Kirchhoff („Gartenlaube“), Dr. Merk und Möhrmann („Reise um die Welt“).“

Oahu Ostküste, 2018. „Weitgehend ursprünglicher Strandbereich (Makapuu Beach Park)“.
© Prof. Dr. Andreas Berkner

„Wir sind geladen zum Polterabend beim
schwedischen Consul Schmidt.
Hawaii Luau – Kulturelles Festessen mit Musik – LUAU! „

Es gibt verschiedenartige Speisen. Hier eine zerstampfte Masse aus den Knollen der Taro-Pflanze. wikipedia

“ … beim Luau, Taro – Poi sitzt man und
ißt mit den Fingern, in den MUND !
Situation is delightful, but the motion is frightful.“ (Die Situation ist herrlich/erfreulich, aber die Bewegung [des Darmes] ist schrecklich/furchtbar!)


Das findet Max sehr schön: „… 2 ganz niedliche Kanakenmädchen (5) machen mir beide eine „Lomi Lomi-Massage““. (6)

Max lernt hawaiisch: „iki mai“ [?] ich liebe dich!“ [=aloha wau ia òe]

29.10. “ … ich zog nach Mr. Brown’s Haus, Adams Lane.“
Im Folgenden werden erhaltene Gelder nach ärztlichen Behandlungen notiert, u.a.: US$ Luce 185, Engelhard 20, Campbell 76, Morgan 6. (Franz Buchholtz 200 US$ evtl. borgen, noch ein Gut bei Herrn Bolte 365 US$). Wir kaufen Tickets nach Yokohama 200 US$ p.p., für die Reise kaufte ich u.a. 100 Pfd. Kaffee ein, 25 US$.
Regen wie noch nie.“

Abreise von Honolulu geplant
für den 02.03. 1888 –
an Bord der „Belgique“.

„Ich erhielt 2 Depeschen: „wait“ von
Georg Passavant, Carls jüngerem Bruder.“

„…deshalb bezog ich ein Cottage am Hotel (125 US$ pro Monat), und ich praktizierte wieder. Die Wechsel habe ich zurückgezogen und das Geld Bolte gegeben. Nachtbesuch von Frl. Lilian und Beggie.“

5.03. „Ich traf Kapitän Lieutnant Bostik, wir besuchten Adams. Auch Franz Buchholz ist anwesend. Er ist sehr nett, schenkte mir ein Portemonnaie. Buchholz ist Besitzer einer großen Kaffeeplantage, Kaffeepflanzung in Hoopuloa, South Kona, Hawaii. (Anm.: Buchholz wurde ein enger Freund der Familie Haedicke, Pate von Max‘ älterem Sohn Hartwert.)

„Wir führen medizinisch-fachliche Gespräche,
auch über Nothnagel und die „Pneumonie“
(im Zusammenhang  mit der kruppösen Pneumonie).
Kommentar (über Max): „da ist doch jemand, der etwas davon versteht.“

(Anm.: Carl Wilhelm Hermann Nothnagel, deutscher Internist und Neurologe, 1847-1905 wikipedia.org.)

Am 03.04. 1888 landet
Georg Passavant

Landungsplatz in Honolulu“, 1888. Fotograf unbekannt (vermutlich G. Passavant).
(F) Vc 2678, Museum der Kulturen Basel. Album DEP.
G. Passavant, III.2.a. Reisebeschreibung I. Teil, pg 54.

Georg und Max lebten gemeinsam im Cottage. “ … wir besuchten das Grab von Carl. Es wurden Anordnungen wegen des Gitters getroffen u.a.m. Geschrieben habe ich an Ernst Passavant, an Remmler und Dr. Schwabe, Leipzig. 600-700 $ (ihm ?) beim Tod vermacht für das dortige Krankenhaus, Bolte entsprechende Anweisungen gegeben.“ (Vermutlich ein Vermächtnis von Max H. beim eigenen Tod.)

Dieses Bild hat ein leeres Alt-Attribut. Der Dateiname ist 220px-Mapmaunakea-7.gif

10.04. “ … wir brechen auf zum Besuch der Vulkane Kilauea, Mauna Loa von Hilo aus … entlang der Küste nach Kanaloa at Kona, halb zu Ross und mit dem Wagen.“
(Mapmaunakea.gif-Wikipedia. „Map of the volcanoes that make up the Big Islands of Hawaii .)


Wir spielten Whist im größten Winde.
Abends 1 Uhr landeten wir in Kanaloa at Kona.
Unter Palmen erlebten wir Arabien night.“

(7)

„Ausgebrannter Krater Kilauea“, 1888. Foto: vermutlich G. Passavant. (F) Vc 2697, Museum der Kulturen Basel. Album DEP. G. Passavant, III.2.a. Reisebeschreibung I. Teil, pg 70
Dieses Bild hat ein leeres Alt-Attribut. Der Dateiname ist Mauna_Loa.jpg
„Phantastischer Blick zum Mauna Loa. Das Motiv zeigt das Massiv des Mauna Loa (4.170m), gesehen vom Gipfel des Mauna Kea, Februar 2020.
© Prof. Dr. Andreas Berkner

18.04.1888

„Das Ideal meiner Kindheit erreicht … „

„… wir gingen auf die wilde Schweine- und Büffeljagd.“

13 Mann zu Pferde im Walde mit 3 Knaben – wilde Schweine und cattles (Rinder), von früh 10 – 4 Uhr. Picknick im Walde. 20 Meilen in 4-5 Stunden zurückgelegt.
In Kanaloe (=Kanaloa) keine Warft (Erd-Sandhügel). Man musste von einem hohen Stein aus eine günstige Welle abpassen und dann in den Kahn springen.
An dem Vulkan bin ich diesmal mit dem Guide allein dicht am Lake gewesen …

unter mir die Lava, die Stiefelsohlen ganz warm, den Stock hineingetaucht und eine 20-40 m hohe Lavamauer emporgeklettert. Dann wollte ich in der Mitte zurück, konnte aber nicht. Der Guide musste mich hinaufziehen, habe „Feuerhaar“ gesammelt und Lava.“

„2-3 Nächte waren wir auf Büffeljagd,
haben im Freien übernachtet.“

„… im Freien haben wir übernachtet…

… und hatten zum Essen Reis und Beef.
Jeder bekam 1 Rippe in die Hand, Salz,

Kaffee, am 2. Tag Kartoffeln.
Welch` Freude.“

(Ende April) Wieder begeben wir uns auf die Jagd. Wir waren 10 Mann und 2 Boys. Es herrschte große Aufregung, um uns wilde Hunde und Pferde.
Ich schoß allein 3 wilde Schweine, davon erhielt ich 1 Zahn, außerdem 4-6 andere, und 6 Büffel, Truthühner pp. ….
Mein Name war: „Hole Kope“, das heißt: Geh zurück (hawaiisch Hoʻi aku), weil ich immer zu weit vorn war und die wilden Hunde dadurch vertrieben habe“.

Nochmals auf der wilden Schweinejagd

„… ich mit Flinte, Jaques und Georg mit Speer. Wir tödteten eins, dann verlor ich mich. 2 mal habe ich mich im Wald verloren, ein unheimliches Gefühl!  Georgs Pferd wurde von einem Eber gebissen. Nachmittags brachen wir, 14 Mann hoch zu Pferde, auf via Waimea (auch als Kamuela bekannt) nach Kawaiti (=Kawaihe). Abends mit P. zum steamer, der uns vor der Nase abfuhr, sodaß wir mit dem steamer 3 Stunden nach MAKENKOWA fahren mussten. 1/2 8 früh dort angelangt.“

„… 2 mal habe ich mich im Wald verloren. Ein unheimliches Gefühl.

Insel Hawaii – Eingang in den Urwald. Foto: G. Passavant, Apr. 1888. (F)Vc 2694, Museum der Kulturen, Basel. Album DEP. G. Passavant, III.2.a. Reisebeschreibung I. Teil, pg 67

Eintragungen vom 22.04. bis 11.05. 1888:

Aufenthalt in Honolulu mit Georg Passavant, mit Freunden und Bekannten, auch Kapitän Bostick, Glade, Suhr, Consul Schmidt. Wir besuchten Franz Buchholtz in Makaha (Ma’kaha) und Ahrends in Waianai (Wai`anae) an der Westküste von O’ahu .“

„Wegen der Reisebedingungen im Hotel „interpelliert“.

Wir treffen Vorbereitungen für die
Weiterreise –
Richtung Neuseeland.

Letzte Eintragung vor der Weiterreise

Max notiert über das Schulsystem in Amerika:
primary school (elemenary school) 10 Semester, grammer school (Gymnasium) 8 semester, dann High school.
Kein Schulgeld. Bücher frei. Die „Faulen“ get (erhalten) die alten. Kein Kind darf geschlagen werden – oder nur vom Director. Ist das 2 mal geschehen, so muß es die Schule verlassen und kann nie wieder aufgenommen werden.
Alle Bücher in den Staaten sind gleich.“